Ist „Naturkosmetik“ immer besser für die Haut?

Der Naturkosmetikmarkt boomt! Niemals zuvor gab es so viele Anbieter naturkosmetischer Mittel auf allen Ebenen des Kosmetikmarktes. Aber was genau kann man unter dem Begriff verstehen? Welche Kriterien müssen diese Produkte erfüllen? Und sind Naturkosmetikprodukte immer vorteilhafter für unsere Haut? Wir schauen uns den Markt einmal kritisch an!

Was versteht man unter Naturkosmetik?

Für Kosmetikprodukte gilt im Allgemeinen die EU-Kosmetikverordnung. Diese beinhaltet eine Definition über kosmetische Mittel, aber keine spezielle für Naturkosmetik. Bis heute gibt es keine europaweit einheitliche Definition zur Naturkosmetik und der Begriff unterliegt keinem gesetzlichen Schutz. Als Naturstoff bezeichnet man Substanzen pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Herkunft sowie deren Gemisch. Naturkosmetik ist also auch nicht gleich direkt vegane Kosmetik. Zur Gewinnung dieser Naturstoffe werden vorrangig physikalische Verfahren genutzt. Duftstoffe in Naturkosmetik müssen einer bestimmten ISO-Norm entsprechen, synthetische Duftstoffe sind nicht zugelassen. Und genau hier darf man kritisch sein. Denn durch die vielfältige Zusammensetzung der Produkte entsteht eine Kombination von unterschiedlichen Aroma- und Parfumstoffen sowie ätherischen Ölen. Und besonders aus Sicht eines Allergikers haben diese ätherischen Öle ein gewisses allergisierendes Risiko. Sie können je nach Art und Konzentration bei einer Empfindlichkeit zu Allergien und Reizungen führen.

Natur vs. Chemie: Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Wissenschaftlich sind Naturkosmetik und „normale“ kosmetische Mittel gleichwertig zu betrachten. Produkte beider Kategorien müssen hinsichtlich Sicherheit und Verträglichkeit den gleichen gesetzlichen Forderungen entsprechen. Trotzdem gibt es einige Prüfsiegel von nationalen und internationalen Verbänden, die nach ihren Kriterien naturkosmetische Mittel kennzeichnen. Unabhängig von der Natürlichkeit geht es selbst bei naturkosmetischen Produkten niemals ganz ohne Chemie. Denn bei normalen, natürlichen Pflanzenextrakten handelt es sich, chemisch betrachtet, immer um Multikomponentensysteme. Je höher der Anteil in einem kosmetischen Produkt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass allergene Bestandteile enthalten sind. Diese lassen sich durch bestimmte Prozesse aber minimieren.

Natur in medizinischer Kosmetik – geht das?

Durch den chemischen Prozess des Aufreinigens werden den Pflanzenextrakten die allergisierenden Bestandteile entzogen. Übrig bleibt der wirksame Teil des Extraktes. Dieser Prozess erhöht die Verträglichkeit des Produktes. Ein Beispiel dafür ist etwa der Extrakt aus der Färberwaidpflanze, der für besonders irritierte und zu Neurodermitis neigende Haut in speziellen Pflegeprodukten genutzt wird. Durch ein extra entwickeltes Extraktionsverfahren gewinnt man aus der Färberwaidpflanze die Leitsubstanzen in Form eines Extraktes, dabei entfallen alle allergisierenden Inhaltstoffe und zurück bleibt ein Wirkstoff, der für seine stark entzündungsregulierenden und anti-irritativen Eigenschaften bekannt ist und als Spezialpflegeprodukt besonders für Neurodermitis sowie trockene und irritierte Haut geeignet ist. „Natur“ kann also auch in normalen kosmetischen Mitteln stecken, andersrum kommt Naturkosmetik auch nicht ganz ohne Chemie aus.

Typsache!

Bei der Entscheidung für das richtige Kosmetikprodukt sollte immer der eigene Hauttyp im Fokus stehen. Sind bestimmte Allergien oder Unverträglichkeiten vorhanden, sollte man Produkte, die diese Stoffe enthalten, meiden. Infos dazu findet man bei jedem kosmetischen Produkt auf der INCI, also der Liste der Bestandteile eines Kosmetikproduktes.

 

Schempp, C. M., E. Schöpf, and J. C. Simon. „Durch Pflanzen ausgelöste toxische und allergische Dermatitis (Phytodermatitis).“ Der Hautarzt 53.2 (2002): 93-97.

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