Nachgefragt: Ist Männer-Haut wirklich anders?

Zugegeben: Männer, die sich pflegen, regelmäßig eincremen oder gar den Weg zur Kosmetikerin finden, sind keine Seltenheit mehr. Zwischen Pflege-Muffeln und dem Beautyprofi steht die männliche Masse aber irgendwo zwischen Überforderung und Unwissen wenn es um Gesichtsreinigung, Tagespflege und Co. geht. Zeit, dem „starken“ Geschlecht auf die Sprünge zu helfen und etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

 

Haut ist Haut – falsch gedacht!

Betrachtet man die Anatomie, also den Aufbau, und die Physiologie (die gesunden Funktionen) der Haut, gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede:

Um beide Häute objektiv miteinander vergleichen zu können, sind Studien und wissenschaftliche Untersuchen notwendig. Zu diesem Thema ist die Datenlage aber tatsächlich mau, nur wenige Studien beschäftigen sich tatsächlich mit der objektiven Differenzierung von Männer- und Frauenhaut in Bezug auf unterschiedliche hautphysiologische Parameter.

Die Haut der Männer wird vor allen durch das Androgen Testosteron (männliche Geschlechtshormon) beeinflusst, das für eine andere Hautarchitektur sorgt. Die Haut ist ca. 15-24% dicker und enthält mehr kollagene Fasern, das macht sie einerseits robuster und fester, lässt sie aber auf der anderen Seite auch gröber erscheinen. Die Talgdrüsen produzieren teilweise doppelt so viele Lipide als die Drüsen der Frauenhaut. Die Ursache dafür liegt in der stimulierenden Wirkung der männlichen Geschlechtshormone, wohingegen Östrogen (weibliches Geschlechtshormon) eine hemmende Wirkung auf die Talgproduktion haben. Männerhaut ist daher tendenziell fettiger, sie glänzt schneller und weißt vergrößerte Poren auf. Schwierig wird es, wenn die Haut mehr Fette produziert, als sie speichern kann. Die Folge sind dann verstopfte Poren, Mitesser und eitrige Hautblüten.

Diese Eigenschaften der Robustheit und des höheren Lipidgehalts haben aber einen Vorteil: Männerhaut altert langsamer. Während die Haut von Frauen bereits mit Anfang, Mitte Zwanzig erste Alterungserscheinungen zeigt, beginnt Männerhaut erst ab ca. 35 zu altern. Allerdings zeigen sich die Anzeichen dann aber auch deutlicher, Falten sind tiefer und die Haut wirkt unelastisch. Dass reife Haut einen Mann aber eher interessanter und damit attraktiver wirken lässt, so glauben die Männer es zu mindest, ist häufig der Grund dafür, dass sie weniger ein Problem mit dem Alterungsprozess haben.

Die typische Pubertätsakne erwischt Jungs im Regelfall schwerer als Mädchen und die Ausprägungen dieser Dermatose sind langanhaltender. Ansonsten leiden Männer aber seltener an anderen Hauterkrankungen als Frauen.

Wir wussten es schon immer: Männer leben anders!

Die tägliche Rasur, besonders die Nassrasur, setzt der Haut ganz schön zu. Auch wenn die Rasierklingen noch so scharf sind, reizen sie die Haut mechanisch, reiben die Hautoberfläche auf und greifen den schützenden Säureschutzmantel an. Männerhaut ist außerdem ohne täglichen UV-Filter oder Feuchtigkeitscreme schutzlos der Umwelt ausgesetzt, was den Alterungsprozess intensiviert.

Keine Experimente bei der Hautpflege

Im Kosmetik- und Hautpflege-Kosmos hat Männer-Kosmetik noch eine gewisse Sonderstellung. Speziell entwickelte Männer-Linien sollen der Orientierung dienen und der Haut genau das geben, was sie benötigt. Tatsächlich ist am Ratschlag „Finger weg vom Cremetiegel der Freundin“ etwas dran. Denn die Pflege der Partnerin ist häufig viel zu reichhaltig an Lipiden und rückfettenden Substanzen. Leichte Gelcremes, so genannte Gelsysteme mit Öl, eignen sich für die meisten Männerhäute als tägliche Pflege. Inhaltsstoffe wie Panthenol und Bisabolol haben nachweislich eine beruhigende Wirkung. Beta- und Alphahydroxysäuren sind ebenfalls eine gute Idee, denn sie verfeinern die Haut, beugen Unreinheiten vor und sind in Sachen Anti-Aging ein wahres Multitalent.

Nach der Rasur sorgen milde Gesichtswasser statt scharfen Aftershaves für Beruhigung und Hydratation. Mit nur einem leichten Alkoholanteil wird die Haut gekühlt, leicht desinfiziert und die Aufnahme für nachfolgende Wirkstoffe erhöht.

 

 

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